Freitag, 25. Januar 2019

Kinder & Medienkonsum - Ursachen, Symptome, Empfehlungen | Wissenschaftsjournalismus Transistor

Internet, Computer, Games & Co: Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen. Spielesucht, Internetsucht und Mediensucht überwinden. @ 2019

Inhaltsverzeichnis:
1. Kurzfassung - Summary / Quintessenz
2. Handy, Tablet, iphone, Computer & Co
3. Computerspiele
4. Soziale Netzwerke
5. Medienkompetenz
6. verwendete Quellen

Wissenschaftsjournalistischer Filmbeitrag zu diesem Thema:

1. Quintessenz
Man kann Informationen im Internet oder Büchern nachschlagen. Wissen generiert sich aber erst dann, wenn ich die neuen Infos in Beziehung setze zu dem, was ich schon weiß und in mein Wissensnetz einbaue [orf15].
Lernen funktioniert am besten durch [Spr13]:
  1. Neugier
  2. Spaß
  3. Bewegung
Besonders Kinder benutzen all ihre Sinne fürs Lernen. Die Verwendung von digitalen Medien bietet eine Fülle von Informationen, die Art der Aufnahme ist allerdings ziemlich eindimensional.
Kommerzielle Medien sind darauf ausgerichtet, den User möglichst lange zu fesseln; Peter Lustigs Schlussanekdote "Abschalten" aus der Kindersendung "Löwenzahn" hat heutzutage Seltenheitswert.
Sollten Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder regulieren oder auf Selbstregulation hoffen? Medienbewusste Eltern geraten oft in eine Krise auch bezüglich des eigenen Medienkonsumverhaltens.

2. Handy, Tablet, iphone, Computer & Co
Analogisierendes Beispiel: Es ist wie eine Diskussion über Ernährung. Wir alle ernähren uns irgendwie und keiner will's natürlich falsch machen.
Der eigene Umgang mit Medien spiegelt sich oftmals bei den Kindern wieder.
Ein Anschaffungsgrund für die nötigen Gerätschaften ist oft, dass man sich damit interaktiv weiterbilden kann; nie war es so schnell und einfach möglich an Informationen zu gelangen, das stimmt ja auch, aber der Psychologe Manfred Spitzer sagt zu diesem Argument folgendes [Spr13]:
  1. Computer nehmen uns geistige Arbeit ab.
  2. Wenn man etwas googelt, dann merkt man sich viel zu oft: "Ey, das kann ich ja googeln!". Was macht das Gehirn deshalb nicht?: Abspeichern!
  3. Wissenschaft & Forschung hat mit Computerarbeit und Vernetzung ein neues Level erreicht, ganz klar, aber trotzdem sollte es erlaubt sein ein wenig kritisch zu sein.
  4. Zum Googeln braucht man: Vorwissen.
  5. Wenn man wenig weiß, dann kann man die Suchergebnissen nicht so schnell und sicher selektieren. Viele Informationen bedeuten also nicht automatisch, dass es auch gute Informationen sind. Gute Quellenarbeit ist in der Wissenschaft nämlich auch essentiell.
Eine aktive Regulierung des Medienkonsums von Kindern läuft oft auf ein Verbot hinaus. Wenn man allerdings etwas verboten bekommt, was so gut wie jeder im Umfeld macht, dann ist das natürlich erstmal unverständlich; eine Akzeptanz ist so schwer erreichbar. Stattdessen sollte man die Probematik möglichst allgemeintauglich erklären, das kann helfen damit umzugehen. Ein Erklärungsbeispiel können digitale Computerspiele sein:

3. Computerspiele
Oft merken Selbstbetroffene oder Eltern folgendes: Gesteigerte Aggressivität und Gereiztbarkeit. Langeweile und Lustlosigkeit für Alternativunternehmungen. Das Entfernen der Geräte wie Handy, Tablet und Co kann in solchen Fällen Abhilfe schaffen [LH17].
Alternativkonzept (Experiment) eines Freilernervaters: Das Kind einfach mal so viel zocken lassen, wie es will. Erfahrungsgemäß wird es so sein, dass das Kind dann irgendwann die Schnauze voll hat; stete Reglementierung kann dazu führen, dass dieses Aha-Erlebnis ausbleibt und immer weiter gespielt werden will [KS15].
Der Psychologe sagt: Herz, Hirn, Hand. Mit den Händen begreifen. Musik, Sport und "Theater-AG" sind die wichtigsten Schulfächer. Die richtige Stimulanz fürs Gehirn [Spr13]. Auch kleinste Interessen der Kinder in diese Richtung sollten von Eltern unterstützt und gefördert werden.
Wenn wir die Kontrolle abgeben (damit ist z.B. gemeint, ständig das Smartphone zu benutzen und ohne nicht mehr zurecht zu kommen), dann führt das zu Stress, was Nervenzellen zusätzlich kaputt machen kann [Spr13].
Der Biologieprofessor Martin Korte sieht folgende Gefahren bei zeitlich unlimitiertem Medienkonsum von Kinder [orf15]:
  1. Fehlende Empathie; es wird nicht genug über das Fühlen und Denken von anderen Menschen gelernt.
  2. Fehlende Entwicklung von Eigeninteressen. Was im Netz Interesse weckt und was am Trenden ist, ist eine Rubrik für sich (siehe SEO Techniken).
  3. Es wird nicht trainiert Belohnungen aufzuschieben, alles muss immer sofort geschehen; fehlende Geduld.
  4. Das zukünftig wichtige Arbeitsgedächtnis wird nur ungenügend trainiert.
  5. Nicht optimale Entwicklung von Fähigkeiten und ein Mangel an Konzentrationsfähigkeit.
Manfred Spitzer kritisiert weiter die politische Einflussnahme und kritisiert die hohe Digitalisierung von Unterrichtsmaterialien und Schulen. Und hier die Überleitung zur Kultur:
Computerspiele zählen zu Kunst und sind Kulturgüter: Im Grundgesetz ist verbürgt, dass wir Kunstfreiheit haben. Das gilt auch für Computerspiele und deswegen darf man nicht einfach in die inhaltliche Wirkung von Computerspielen eingreifen, auch wenn einem das nach pädagogisch anerkannten Konzepten nicht gefällt, denn sonst müsste man das mit vielen anderen Kunstformen auch tun [orf15].
Bei all dem darf man aber nicht vergessen, dass es auch bei der Kunstform "Computergame" auch um kommerziellen Erfolg und ums Verkaufen geht. Reine open source Projekte gibt es zwar auch, aber gemessen an der Anzahl der neu erscheinenden Titel auf Steam (z.B.) ist das eher eine Seltenheit.
Auf der anderen Seite: Die Debatte um politische Einflussnahme wird vielen unter der "Killerspieldebatte" bekannt sein, wo der Politik vorgeworfen wurde, die Computerspieleindustrie verunglimpfen zu wollen für ein Problem, dessen eigentliche Ursache totgeschwiegen wurde. Die Spieleredaktion der Computerzeitschrift Gamestar hat sich diesem Thema mit viel Witz und Ironie angenähert (siehe GameStar Brontal 25 Parodie) [gsb05].
In einem "Report Mainz" aus dem Jahr 2000 wurde ein Jugendlicher gefragt, warum es Spaß macht (virtuell) Leute zu erschießen. Sein Gegenargument: "Das ist ein Spiel. Bei Mensch-Ärger-Dich-Nicht, frag ich ja auch nicht, ob es der Figur gefällt, dass ich sie schlage."
In den Medien gingen damals auch viele "Experteninterviews" rum. Die Erwachsenenwelt und die "Experten" konnten damals sehr leicht entlarvt werden, da es um ein Thema ging, was besonders Kinder durch Eigenerfahrung sofort falsifizieren (wissenschaftlich widerlegen) konnten [zdf16].
Es gibt also beide Seiten. Gunnar Lott (Zeitzeuge und ehemaliger Chefredakteur der Computerspielezeitschrift Gamestar) findet, dass die Anerkennung des deutschen Kulturrates als Kulturgut damals der entscheidene Baustein im öffentlichen Bild und der positiveren Wahrnehmung von Computerspielen war.
Dr. Günther Beckstein (ehemaliger bayerischer Ministerpräsident): "Drum ist Auseinandersetzung in der Demokratie ein ganz wichtiger gesellschaftlicher und intellektueller Prozess...".
Meine Tipps zu Computerspielen:
  1. Spielen (allgemein) ist wichtig und sollte Spaß machen.
  2. Wenn mich ein Computerspiel frustriert, dann weg damit. Vielleicht kann es helfen sich professionelle Rezensionen anzuschauen von Computerspielen die einen interessieren, um das Richtige auszuwählen [dsg13]. 
  3. Endlosspiele vermeiden. Spiele sollten ein erkennbares Ziel haben: Ziel setzen, erreichen, und Spiel beenden [skg12]. Besonders auf Langwierigkeit ausgelegte Spiele, die man sich durch In-Game-Käufe erleichtern kann, sollte man vermeiden.
  4. Bücher und Filme: Passives Erleben der Geschichten. Computerspiele: Etwas aktiverer Verlauf mit möglicher Einflussnahme. Also: Versuche für dich selbst einen angenehmen Spielverlauf zu schaffen und habe die Kraft dann auch aktiv abzuschalten, wenn das Sessionziel erreicht ist. 
 4. Soziale Netzwerke
Unser Psychologieexpterenprofessor Manfred Spitzer sagt es ganz passend:
In Facebook haben Sie den anderen (den Gesprächspartner) nicht vor sich. Keine Mimik, keine Gestik, keine Sprachmittel (nur ein fader Abklatsch it Buchstaben; da helfen auch Emojis nicht). Die Interpretation des Geschriebenen wird oft durch die Stimmung und die Gefühle des Lesers bestimmt. Der Schreiber kann bei seinem Tippen allerdings ganz anders gefühlt haben. Wie soll man da Sozialverhalten lernen? Den Spaß hat man da eher mit den realen Kontakten.
Außerdem ist im Netz sehr viel Kommerzialität und Kriminalität unterwegs.
Siehe auch die Parodielieder von "Robin von YouTube" über "das Internet":
[rii15] Robin - Das Internet ist voll von Idioten
[ris15] Robin - Das Internet ist super duper

5. Medienkompetenz
...kann z.B. so aussehen [orf15]:
  1. Die entscheidende Kompetenz im Umgang mit großen Informationsquellen ist das Selektieren: Wichtiges von Unwichtigem trennen und Quellen qualitativ bewerten können.
  2. Selektive Aufmerksamkeit auf entscheidende Reize ist extrem wichtig.
  3. Informationsflut strukturieren können. Dies kann auch ein Lernweg sein, indem man sich die Quintessenzen oder das Erfolgsrezept für den Sachverhalt aus verschiedenen Quellen zusammensucht und z.B. in einer Mindmap oder eigenen Listen oder Fomelsammlungen gezielt zusammenfasst.
 Arbeitsgedächtnis trainieren durch: 
  1. Lesen
  2. Stetes Hinterfragen und Andersmachen von Dingen. Dann werden die Verknüpfungen der Nervenzellen im Arbeitsgedächtnis verstärkt. Mehr Kontaktstellen zwischen Nervenzellen = höhere Rechenkapazität.
  3. Sportliche Aktivitäten fördern das Arbeitsgedächtnis, weil die Durchblutung des Gehirns und die Konzentationsfähigkeit gefördert wird.
  4. Ein breites Feld an Betätigungen, so wie die umfassende Bildung früher.
Was man Kindern im Umgang mit dem Internet vermitteln könnte/sollte:
  1. Nie den eigenen Namen preisgeben, wenn möglich anonym bleiben. Alles, wo man sich ausweisen muss, sollen die Eltern übernehmen.
  2. Nicht daddeln! Gezielt benutzen!
  3. Nicht manipulieren lassen! Immer die Vorstellung haben: Alles was du machst wird gespeichert und kann für fremde Interessen verwendet werden. Denn auch deine Daten sind wertvoll, nicht nur dein Geld.
Das wird schon. Bei anderen hat's auch geklappt. Ansichten und Lebenseinstellungen können sich auch ändern mit der Zeit.
Wir müssen lernen damit umzugehen, weil wir in einer technologisierten Welt leben. Ich finde, das sollte das Ziel sein bei der ganzen Problematik.
Auch Erwachsene müssen lernen nicht den ganzen Tag zu arbeiten, sondern auch zu leben und Zeit mit den Kindern zu verbringen.
In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen, ich gehe jetzt ins Bett, morgen ist Wochenende. Also Browser schließen.

Bis dann,
die Sophia



Quellenverzeichnis/Referenzen:
[Spr13] Digitale Demenz - Manfred Spitzer
[LH17] Kinder und Medienkonsum - Leopold & Hagen
[orf15] Digitale Demenz - ORF 2015
[KS15] Unschooling Rohvolution - Ka Sundance
[zdf16] ZDF info: Killerspiele  - der Streit eskaliert (mit Zeitzeuge Gunnar Lott)
[dsg13] gamecheck coldmirror13 - Don't Starve
[skg12] gamecheck coldmirror12 - Skyrim
[gsk11] GameStar Killerspiel Parodievideo
[gsb05] GameStar Brontal 25 Parodie
[mcg11] gamecheck coldmirror11 - Minecraft
[rii15] Robin - Das Internet ist voll von Idioten
[ris15] Robin - Das Internet ist super duper
[PL93] Löwenzahn Fernseher abschalten
[Gr17] Glog von Gronkh 2017

Verwendete Videos:
Digitale Demenz -- Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer an der DHBW Stuttgart - dhbwstuttgart:
https://youtu.be/FnDEF7Aw9HI
Kinder und der Konsum von tablet, ipad & Co! Spielsucht? Unsere Erfahrungen! - Silke Leopold und Nadine Hagen:
https://youtu.be/RuwyjJ9zQ8E
Wie Geht Freies Lernen/Unschooling? - Vortrag Von Ka Sundance Bei Der Rohvolution 2015 (Berlin) - Die Sundancefamily:
https://youtu.be/wuZwG3ZctU4
Digitale Demenz: Wenn Computer für uns denken © ORF 2015 (mit Prof. Martin Korte) - Mike Seven:
https://youtu.be/eeectcCndRc
ZDFinfo: "Killerspiele - Der Streit eskaliert" - Alex K.:
https://youtu.be/DEPR1Tbc5jE
Don't Starve - Gamecheck - + coldmirrorgames +:
https://youtu.be/aVW49tG0tGw
The Elder Scrolls 5 - Skyrim - YOU FM Game Check mit Coldmirror - YOU FM:
https://youtu.be/srP4nst4DOI
10 Dinge, die schlimmer sind als Killerspiele (GameStar) - GameStar:
https://youtu.be/Bt4kTFnhwNY
15 Jahre GameStar: »Brontal 25« - Die Redaktion #7 aus dem Jahr 2005 - GameStar:
https://youtu.be/e8aWh9dyn-w
Minecraft - YOUFM GameCheck - + coldmirrorgames +:
https://youtu.be/vYO-dpitozk
Robin - Das Internet (ist voll von Idioten) (original Song, a cappella) - Robin von YouTube:
https://youtu.be/2VCIhQ_cspQ
Robin - Das Internet (ist voll super duper) (original Song, a cappella) - Robin von YouTube:
https://youtu.be/dtgRhj6AFkc
Atomkraft? Abschalten! Mja - Peter Lustig - morschify:
https://youtu.be/rBccu9jUTaY
Glog
https://youtu.be/w4AyEmdoIus

TAGS:
Internet, Computer, Spiele, Games, Killerspiele, Gehirnentwicklung, Hirnforscher, Sozialverhalten, Psychologe, Manfred Spitzer, Martin Korte, Professor, 2017, Coldmirror, Silke Leopold, Nadine Hagen, Ka Sundance, internetsucht, Youtubesucht, Computersucht, Gronkh, Erik Range, Spielesucht, Kinder, Jugendliche, digitale Medien, Medien, Medienkonsum, Kathrin Fricke, Peter Lustig, Löwenzahn, Doku, Dokumentation, Wissenschaftsjournalismus, Robin von Youtube, Gamestar, Gunnar Lott, Die Redaktion, Technologie, Media, Gehirnforschung, Gesundheit
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